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- Hier findet Ihr momentan drei intressante
Artikel aus drei verschiedenen Jahren über die lokale Szene:
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- 1997 : Tageszeitung-Ruhr : Dortmunder Untergrund
- 1998 : Der Spiegel : Ruhrpott AG - "Unter
Tage"
- 2000 : Tageszeitung-Ruhr : MC-Fight im Hiphop-Pott
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- Natürlich ist dieses Archiv keinesfalls
vollständig. Wir legen allerdings auch nur bedingt wert
hierauf, da die meisten Artikel und Berichte auch nichts wirklich
hergeben. Wenn jemand noch was findet, kann er uns aber natürlich
mal konnekten.
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- Die Tageszeitung-Ruhr schrieb 1997 :
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- Dortmunder Untergrund
Purer originaler HipHop
Der Wolf oder Tic Tac Toe haben HipHop
aus Dortmund in die Charts gebracht. Aber jenseits dieses kommerziell
erfolgreichen Mainstreams existiert seit Jahren eine äußerst
aktive Untergrundszene. Der Lange repräsentiert diesen puren
originalen HipHop. Als Rapper, Sprayer, T-Shirt-Designer und
Ladenmitbesitzer ist er sozusagen Untergrund in Person, handmade
bzw. mundmade aus Dortmund, d e r bundesdeutschen Graffitihochburg.
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- Als Lars Gurofski kennen ihn nur seine
Eltern, als Rapper und Frontmann der Gruppe Too Strong, dem Aushängeschild
der Dortmunder HipHop-Szene, ist Der Lange inzwischen bundesweit
bekannt. Er hat jene ominöse Silo-Nation mitbegründet,
in der sich die Sprüher, Breaker , DJs und Rapper der Dortmunder
HipHop-Szene locker zusammengeschlossen haben. "Das Silo
steht als Symbol für große Aufnahmebereitschaft und
Speicherkapazität", sagt der Dortmunder. Mit seinen
Graffiti hat er das Stadtbild bunter und Polizei und Hausbesitzer
blasser gemacht.
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- "Ohne die Typen, die jede Nacht rausgehen und trotz
Polizeiverfolgung überall ihren Namen draufschreiben, würde
es die HipHop-Szene nicht geben." Dem Langen geht es um
Respekt, Wahrheit und Glaubwürdigkeit. "Du machst nur
die Sachen, mit denen du dich auch identifizieren kannst."
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- Für ihn ist HipHop immer Untergrund
und nicht Geldverdienen und lustige Sprüche klopfen. Der
Wolf, Die Fantastischen Vier oder Tic Tac Toe sind für ihn
weichgespülte Produkte der Musikindustrie, die nicht HipHop
sondern höchstens trendy PopRap produzieren.
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- Auf seinem Soloalbum "The Real
Deal" gibt der 25jährige großmäulig vor,
was korrekt ist. Knallhart rapt er in deutsch und englisch über
B-Boys, "zugebombte" Züge, Freestyle und natürlich
auch Dortmund und die Silo-Nation. "Ich erzähle das,
was ich in den letzten Jahren selbst erlebt habe. Mir geht es
um die Geschichte und die realen Hintergründe der Hip-Hop-Kultur."
Roughe Rhythmen und funkige Beats treffen dabei auf eingängige
Melodien und atmosphärische Samples. Ein swingender Kontrabass,
Piano-Klonks oder eindringliches Cellospiel machen dieses "Oral
History"- Werk auch musikalisch interessant.
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- Jetzt hat Der Lange mit drei anderen
Kollegen einen eigenen Laden eröffnet. Der Uprock-HipHop-Store
an der Bornstraße 10 soll "Homebase für die Szene"
sein. Hier gibt es fette Beats auf Vinyl oder Tape, angesagte
Szene-Klamotten oder exklusive Graffiti-Magazine. Farbdosen werden
nach der Devise "Sprayen und Sparen" fast zum Einkaufspreis
angeboten.
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- Andererseits wollen Der Lange und
die anderen sich hier auch ihre eigenen Arbeitsplätze aufbauen.
Im Keller werden per Mail-Order Underground-Platten und T-Shirts
versandt. Unter dem Label "Stick Up Kids" entwirft
der Lange gemeinsam mit Can 2 eigene Klamotten. Graffitimotive
bilden die Grundlage für die T-Shirt- und Kaputzen-puli-Kollektion.
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- "Ich will möglichst viele Kollegen mitreinziehen,
die arbeitslos sind. Wir wollen mit den Sachen, die uns Spaß
machen und die wir gut finden, auch Geld verdienen", beschreibt
Der Lange seine Kombination von Untergrund und Marktwirtschaft.
Er hat nach Realschulabschluß und abgebrochener Metzgerlehre
selbst jahrelang auf der Straße gelebt. Mit dem Erlös
aus Plattenverkäufen und den vielen Konzerten an jedem Wochenende
hat er sich über Wasser gehalten. Mittlerweile klopfen bei
ihm die ersten Majorlabels an. Aber Der Lange bleibt mit beiden
Füßen fest auf dem Boden bzw. im Untergrund: "Uprock"
soll zwar abgehen, "aber die Hip-Hop-Kids haben wirklich
nicht viel Kohle und wir wollen denen hier nicht das Geld aus
der Tasche ziehen."
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Roland Kentrup
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- Der Spiegel schrieb 05. November 1998 eine
"CD-KRITIK":
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- Ruhrpott AG - "Unter Tage"
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- Von Fiete Stegers / www.netzjournalismus.de
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- Im Ruhrgebiet ist der Strukturwandel
in vollem Gange. Auch musikalisch: Der Pott kocht - und immer
mehr HipHopper mischen mit. Neueste Seilschaft auf dem Weg nach
oben: RAG.
Bei der Jam-Session im Freizeitzentrum
West am beschaulichen Rand der Dortmunder Innenstadt stehen sie
alle früher oder später mal auf der Bühne, peinliche
Vorstadttrapper in aufknöpfbaren Trainingshosen und die
MCs von morgen. Der Wolf ist öfter da, und Dike hat man
auch gesichtet. Dikes erstes Album hat Label-Kollege Lee Buddah
produziert. Für Lee Buddah hat DJ Chris an den Reglern gedreht.
Der kommt wie "der Lange" von den Szene-Heroen "Too
Strong", und jetzt haben beide auf dem Album der "Ruhrpott
AG" mitgemischt. Im Jahr eins nach der Krupp/Hoesch-Ehe
haben auch Bands fusioniert. Hinter der RAG verbergen sich "Filo
Jones" und "RAID". Beide Bands, Anfang der Neunziger
entstanden, können auf ein paar Veröffentlichungen
auf Samplern und Gastauftritte zurückblicken. Ein Album
gibt es erst jetzt. "Unter Tage" heißt das Debüt
der vier Ruhrgebietler, und entsprechend düster klingt es
auch. Das ist das Konzept: Sie verstehen sich als "gesundes
Gegengewicht zu eindimensionalem Party-HipHop".
Statt dessen graben sie an den HipHop-Wurzeln
und fördern langsame Beats zutage. Darüber legen sich
sparsame Melodien, eine sanfte Trompete, eine Mexiko-Gitarre
oder ein Sample, nicht eintönig, aber eingängig. Zusammengeschweißt
werden die Stücke durch den gleichmäßigen Reimfluß
der Rapper Pahel, Galla und Aphroe.
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- Auch bei der unvermeidlichen Schelte
für unfähige Kollegen gehen sie mit Witz statt Kraftausdrücken
ans Werk: "Du fidelst nur in Castrop". Meist aber betätigen
sich die Reimsprecher als selbsternannte "Geburtshelfer
sinngeschwängerter Passagen". Der cannabishaltige "Westwind"
kommt eindeutig aus Holland und bringt den "Hanfstern Galactica"
mit. "Kopf Stein Pflaster" erzählt von der Ochsentour
durch Mini-Clubs und anderen Härten des Bandlebens. Ganz
klar ist der Inhalt der Texte aber nie: Durch die Vorliebe der
Beat-Arbeiter für unvollendete Sätze und abrupt in
Wortspielen mündende Argumentationslinien werden die Texte
zu Synthesen aus expressionistischen Hör-Bildern und albernen
Fundstücken der Pop-Kultur.
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- Der Witz der RAG ist es auch, der
sie trotz aller Melancholie vom aggressiven Sprechgesang eines
sich im Weltschmerz wälzenden Moses Pelham unterscheidet.
"Unter Tage" ist der Soundtrack für gepflegte
Melancholie mit genügend Gelegenheiten zum Ausbrechen. Für
die Ruhrpott AG selbst ist das Album Werkschau und Vergangenheitsbewältigung,
aber auch die Basis, von der die RAG-Mitglieder, einzeln und
gemeinsam, neue Sounds zutage fördern wollen.
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- Die Tageszeitung-Ruhr schrieb am 23.11.2000
:
MC-Fight im Hiphop-Pott
Die Hiphop-Szene im Ruhrgebiet ist schon länger in Aufruhr.
Nun hat sich der Pott endgültig als eigene Trademark des
Sprechgesangs etabliert - urheberrechtlich geschützt, versteht
sich
von MARCEL SETTNER
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- Im Hip Hop gilt das Recht des Stärkeren:
des stärkeren Reims, des fetteren beats. Das sind die Mittel,
mit denen jede Gruppe kämpft. Die Szene besteht aus Einzelkämpfern,
die sich als Mitstreiter nur diejenigen aussuchen, die ähnliche
styles im Hip Hop prägen. Bei Jams, wie in der Oberhausener
Turbinenhalle, finden sich aber inzwischen die einzelnen Gruppen
des Reviers unter dem Ruhrpott-Banner zusammen. Sie bilden keine
einheitliche Szene, aber ihr Lebensgefühl bringt sie zusammen.
Das ist demnächst auch live im Ruhrpott zu erleben: Creutzfeld&Jakob
und Dike sind beim Hip-Hop Jam 2000 am 29.11. im Soundgarden
Dortmund dabei. RAG geben ihr letztes Konzert dieses Jahr am
8.12 im Jugendzentrum Hombruch, Kieferstrasse 32, dort, wo alles
begann: in Dortmund.
Hier formierten sich Anfang der Neunziger Too Strong. Die old
school Tradition des ursprünglichen Hip-Hop gibt bei ihnen
den Ton an. Mit Schallplattenspieler und Mikro geben sich die
Pioniere im Tagebau des Ruhr Hip Hop puritanisch. Mit ihrem Pionierstatus
halten sie in ihren Texten keinesfalls hinter den Berg: "Viele
Neider vergessen, wir waren in Dortmund die Ersten." Ihre
Reime sind zumeist battle-rhymes, die dem freestyle entstammen.
Freestyle, ein weiterer wesentlicher Aspekt des old school, meint
den spontan improvisierten Sprechgesang, mit dem sich verschiedene
MCs bekämpfen. Es handelt sich um sprachlichen Fechtkampf:
je verdrehter und unkonventioneller das Wortspiel, je schneller
und rhythmisch komplizierter vorgetragen, desto besser.
Dortmund ist die Schaltstelle des Revier-Sprechgesangs. Hier
residiert Die 4Ma, die das Management für Too Strong, für
Dike, Koma Mobb, ABS und den Wolf besorgt. Damit hat sie old
school Protagonisten und Partyrap a la "Gibts doch gar nicht"
(Der Wolf) unter einem Dach. Passen düstere beats und kämpferische
Reime neben popartige Erzählungen aus dem Teenieleben? Schnitzel
Hoffmann, Manager bei der 4Ma: "Anfang der Neunziger war
die Szene ziemlich gespalten. Komischerweise verhinderten die
ewigen Streiterein aber nicht, daß schließlich sowohl
Too Strong als auch Der Wolf bei uns unter Vertrag standen. Im
letzten Jahr waren sie sogar zusammen auf der Bühne."
Die Szene bleibt dennoch gespalten. Gerade am Wolf scheiden sich
die Geister. Dieser nimmt´s gelassen. Ob Hip oder Hop,
er nennt seine Musik Smartcore und gehört kommerziell weiterhin
zu den erfolgreichsten.
Der Rapper Dike aus Witten nimmt es mit dem Hip Hop Begriff auch
nicht so genau. Er jongliere mit allen Synonymen. Nach 20 Jahren
Ruhrpott könne ihn "kein Wasser mehr trüben".
Und so rappt er über beats, die hin und wieder auch nach
Reggae klingen. Mit hypnotischer Stimme und sich schier endlos
aneinanderreihenden Reimen erzählt er von der Fahrt in der
S-Bahn, in der ein Alki ohne Vorwarnung seine Lebensgeschichte
auspackt oder schlicht von der letzten Party. Koma Mobb rappen
über die Mafiaconnection der Pizzerien oder die eigene Positionierung
in der Szene. Mit Synthesizern gesättigt, klingt ihr Sound
oft schwer nach den '80ern und verschmäht auch keine Metallgitarren.
Zur Zeit übernehmen Creutzfeld&Jakob die Repräsentanz
des Potts auf den Musikkanälen. Die Wittener waren zum ersten
mal auf dem RAG Erstling "Unter Tage" zu hören.
Ihr erstes Album steht seit einem Monat in den Läden. Ihr
Management läuft über das Label Put da needle to da
records, das auch RAG betreut. Wie Uprock oder Community-Records
aus Dortmund ist es ein kleines bis mittelständisches Label.
Mammut Labels wie das von den Fantastischen Vier betriebene 4
Music in Stuttgart oder Eimsbusch in Hamburg gibt es im Revier
nicht.
Obwohl nicht zwangsläufig mit Hip Hop verbunden, ist Hanf
die Droge Nr.1 für die Rapper. Pot(t) ist nicht nur Standortbestimmung,
sondern wird auch gern geraucht. Koma Mobb widmen dem Hanf ein
Lied. Dike raucht wahrscheinlich nicht nur auf dem Plattencover.
Und die "Westwinde", die bei RAG wehen und den "Ultraschall"
sehen lassen, sind nicht die der Wettervorhersage.
Toughness, Ehrlichkeit der Straße, Seitenblicke ins kriminelle
Milieu und ins soziale Abseits ziehen sich wie ein roter Faden
durch die Texte. Es wird immer deutlich, welche Straßen
gemeint sind. Ein guter Teil politisch korrekter Sozialromantik
ist meistens mit in die Pottmischung hineingestreut. Ein deutlicher
Unterschied zu den Produktionen aus Hamburg, die oft nur noch
aus battle-rhymes bestehen, so daß "Hamburg City rules!"
oft nicht viel mehr als ein Schlachtruf bleibt.
Auch die Produktion der Platten zeigt den Unterschied. Während
sie hoch im Norden die Studios oft mit glasklaren Höhen
lasiert und mit Miami-Bass unterfüttert verlassen, will
der Ruhrpottsound eher schmutzig und sperrig bleiben. Die Wurzeln
liegen eben unter Tage.
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- Drei Fragen
Aphoe von RAG
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- Können Sie kurz Ihren Werdegang skizzieren?
Wir haben uns '96 formiert. Unseren Erstling haben wir über
ein Independent-Label 25.000 Mal verkauft. Das war der Startschuß.
Wir haben dann das Video "Kopfsteinpflaster", das auf
den Musikkanälen lief, gedreht, obwohl es gar keine Singleauskopplung
gab. Die Produktionskosten lagen bei 1000.- DM. Danach kamen
die low-budget Videos wieder in Mode. Zur Zeit sind wir im Studio.
"Pottential" wird im Frühjahr 2001 rauskommen.
Wie wichtig ist für Sie der Ruhrpottbezug?
Es war uns wichtig, den Pott auf die HipHop-Landkarte zu setzen.
Hier gibt es schon lange eine Szene, die ihre eigene Entwicklung
gemacht hat. Wir wollen unser Lebensgefühl direkt und ehrlich
ausdrücken - ganz pottmäßig, nicht zwanghaft
witzig, um irgendeine Art von mass-appeal zu erreichen. Sprachverliebtheit
kommt vor Selbstverliebtheit.
Eine Zeile für dieses Lebensgefühl.
"Laufen um unser Leben, / sprinten für das Rennen,
/ tauchen den Westen in Tinte, / wollen die Feder unsere Flinte
nennen."
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